Erste Zwischennutzung startet: Ateliergemeinschaft bezieht Leerstand. Von links nach rechts: Bastian Bley, Marc Zeman, Astrid Eisinger und Wolfram Flesch. Foto: Schnittstelle5

„Die erste Zwischennutzung des Leerstands an der Großen Bleiche 1 in der Mainzer Innenstadt hat begonnen“, teilt der Verein Schnittstelle5 – Raum für Stadtentwicklung und urbane Projekte mit. Seit einigen Tagen hat eine Künstlergruppe bestehend aus der Malerin Astrid Eisinger sowie den Medien- bzw. Sounddesignern Bastian Bley, Marc Zeman und Wolfram Flesch die Räume bezogen. Für zwei Monate werden die Vier dort ein offenes Gemeinschaftsatelier betreiben, offen zugänglich für alle Interessierten.

„Der Dornröschenschlaf der Großen Bleiche 1 ist mit dem neuen offenen Gemeinschaftsatelier auf Zeit nun beendet. Durch die Zwischennutzung kehrt wieder Leben in die lange Zeit leerstehenden Räume ein“, sagt Kristina Speichert von der Schnittstelle5. „Wir freuen uns, dass wir hier vier Künstler*innen Raum zum kreativen Arbeiten geben können und dass Interessierte das bewusst offene Atelier mit samt der darin ausgestellten Werke besuchen können. Unser Ziel war und ist es, ungenutzte, leerstehende Räume wieder zugänglich zu machen für kulturelle Nutzungen – gerade in der jetzigen Zeit, in der immer mehr Raum für Kultur in der Stadt verschwindet. Das ist uns mit der ersten Zwischennutzung durch das Gemeinschaftsatelier in der Großen Bleiche 1 gelungen. Es gibt bereits viele weitere Rauminteressenten mit sehr konkreten Ideen, die mit ihren Projekten in den Startlöchern stehen. Das zeigt, dass unsere Arbeit an der richtigen Stelle ansetzt.“

Die offene Ateliergemeinschaft bzw. das selbsternannte Ministerium für guten Geschmack, Kunst und Käsepommes setzt sich zusammen aus Malerin Astrid und den Medien- bzw. Sounddesignern Marc, Wolfram und Bastian. Ihr Spektrum reicht von Siebdruck über Aktmalerei bis hin zu Videoinstallationen.

Astrid findet, „für einen bildnerisch arbeitenden Künstler ist es unerlässlich seine Arbeiten auch zu präsentieren, wir müssen Menschen erreichen können. Das Tolle an diesem Platz ist, dass hier auch Leute in das Atelier kommen, die gar nicht an Kunst gedacht haben. Sie sind interessiert, sie fragen nach, so haben beide Seiten etwas von der neuen Situation. Super, dass wir die Möglichkeit haben hier zu wirken!“
Für die Medienkünstler bietet vor allem der obere Stock den nötigten Raum zum Experimentieren, um Arbeiten mit Licht und Klang wirken zu lassen. „Um die Ergebnisse zu präsentieren ist eine gute Lage von großem Vorteil – ohne die Schnittstelle5, die uns den Raum vermittelte, wäre dies so für uns sicher nicht möglich und auch nicht bezahlbar gewesen.“

Die Schnittstelle5 mietet die Räume an der Großen Bleiche 1 und überlässt sie verschiedenen Gruppen und Projekten aus dem Bereich Soziales, Kunst und Kultur. Die Schnittstelle5 hatte zuvor bereits erfolgreich Leerstände wie das Allianzhaus, eine ehemalige Bank oder ein ungenutztes Trinkhäuschen an Zwischennutzer vermittelt. Der Verein selbst hat seinen Sitz in einem ehemaligen Leerstand in der Mainzer Altstadt und hat einen Teil seiner Räume an eine Zwischennutzerin, eine Malerin, vergeben.